Mobile Lesson «Substanzen und Methoden»

Welcher Sporttreibende hat sich nicht schon gefragt, was die verschiedenen Substanzen und Methoden der Dopingliste im Detail bedeuten? Die interaktive Mobile Lesson «Substanzen und Methoden» von Antidoping Schweiz beantwortet diese und weitere Fragen mittels 17 spannenden und informativen Modulen. Darin wird erklärt, wie die verschiedenen Substanzklassen und Methoden der Dopingliste definiert sind, welche Wirkungen und Nebenwirkungen sie im Körper auslösen und welche Sportarten vornehmlich betroffen sind. Dank einem umfangreichen Set an Testfragen kann geprüft werden, ob der Wissenstransfer erfolgreich war.

Grundlagen

Einführungsmodul

In dieser Rubrik finden Lehrpersonen und Ausbildungsverantwortliche Informationen und Hilfsmittel für ihren Unterricht oder für eine Schulung zum Thema Doping.

Blended Learning Strategie


Analytik

Im oder ausserhalb des Wettkampfes müssen Sportler Urin- oder/und Blutproben abgeben. Diese Proben werden in speziellen Anti-Doping-Labors mit unterschiedlichen Analysemethoden auf verbotene Substanzen getestet.


S2 M1 Blut

Das Modul zum Thema Blut erklärt Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Blutbildung, Hämatokrit, Höhentraining und biologischen Langzeitprofilen (Athlete Biological Passport).


Selbsttest

Das vorhandene oder neu erworbene Wissen kann mittels Quizbuilder überprüft werden. Jeder bestimmt selbst, wie umfangreich der Selbsttest ausfallen soll. Eine abschliessende Auswertung dient als persönlicher Lernnachweis.


Jederzeit verbotene Substanzen und Methoden (in und ausserhalb von Wettkämpfen)

S1 Anabolika

Anabolika sind Steroidhormone wie Testosteron und Substanzen mit einer dem männlichen Sexualhormon ähnlichen Wirkung. Sie sorgen für eine anabole Stoffwechsellage.

Nebenwirkungen: Anabolika haben eine ganze Reihe zum Teil gefährlicher Nebenwirkungen, beispielsweise Schädigungen am Herz-Kreislauf-System, Lebererkrankungen bis hin zu Leberkrebs, Veränderung des Lipidstoffwechsels und als mögliche Folge Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Wassereinlagerung ins Gewebe, psychische Veränderungen (Depression, Aggressivität, Libido, Sucht), vorzeitiger Wachstumsstopp bei Jugendlichen oder auch geschlechtsspezifische Nebenwirkungen.


S2 Erythropoetin (EPO)

Erythropoetin (EPO) ist ein, in der Niere produziertes, körpereigenes Hormon, welches die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark anregt. Dies bewirkt im Endeffekt eine Steigerung der Ausdauerleistung und eine kürzere Erholungszeit.

Nebenwirkungen: Als Folge der durch EPO gesteigerten Bildung roter Blutkörperchen erhöht sich die Zahl der festen Bestandteile im Blut (Hämatokrit). Das Blut wird visköser (zähflüssiger), der Blutdruck steigt. Diese Blutverdickung kann vor allem bei Dehydrierung nach grossen Anstrengungen zu Thrombosen, und weiter zu Herzinfarkt, Schlaganfall und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Auch das Risiko an Krebs zu erkranken steigt mit der Einnahme von EPO.


S2 Wachstumshormon (hGH)

Das Wachstumshormon (hGH) ist ein körpereigenes Peptidhormon. hGH regt die Zellen zu Teilung und Wachstum an und wirkt so anabol (muskelaufbauend).

Nebenwirkungen: hGH kann das Wachstum von inneren Organen (z. B. Herz, Leber) anregen und schwere Schäden daran verursachen. Ein vergrössertes Herz und ein erhöhter Blutdruck können einen Herzinfarkt auslösen. Ausserdem führt hGH zu überproportionalem Wachstum von Händen und Füssen, aber auch von Kinn, Nase und Ohren (Akromegalie). Diese Veränderungen sind irreversibel. Weitere mögliche Folgen des hGH-Missbrauchs sind Dickdarmkrebs oder die Entstehung einer Diabeteserkrankung.


S3 Beta-2-Agonisten

Beta-2-Agonisten erweitern die Bronchien in den Lungen. Bei hoher Dosierung haben sie eine muskelaufbauende Wirkung.

Nebenwirkungen: übermässiges Schwitzen, Unruhe, unkontrollierbare Muskelzuckungen (Tremor) und Herzrasen (Tachykardie). Durch eine Steigerung des Sauerstoffverbrauchs bei beschleunigtem Herzschlag kann es zu einer Unterversorgung der Herzmuskelzellen kommen, was sich unter Umständen in einer Angina Pectoris (durch eine Durchblutungsstörung des Herzens hervorgerufener, anfallartiger Schmerz in der Brust) äussert. Weitere mögliche Nebenwirkung sind eine Absenkung der Kalium-Konzentration im Blutserum (mögliche Folge: Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)) oder eine Erhöhung der Glukosewerte durch verstärkten Glykogenabbau der Leber.


S4 Hormone und Stoffwechsel-Modulatoren

Substanzen der Klasse "Hormone und Stoffwechsel-Modulatoren" beeinflussen die Hormonwirkungen oder beschleunigen oder verlangsamen bestimmte Enzymreaktionen. Wichtig hierbei ist, dass es sich bei diesen Substanzen nicht um Hormone, also um biochemische Botenstoffe im eigentlichen Sinn handelt, sondern um Stoffe, die die Hormone und somit deren Wirkung beeinflussen oder die auf den Stoffwechsel einwirken.

Nebenwirkungen: Hormone und Stoffwechsel-Modulatoren stellen einen Eingriff in das endokrine System (Drüsensystem) des Körpers dar und erhöhen so das Risiko von schweren Krankheiten.


S4 Insulin

Insulin ist ein körpereigenes Peptidhormon und gehört zu den verbotenen Dopingsubstanzen. Es senkt den Blutzuckerspiegel und beeinflusst auch den Fett- und Aminosäurestoffwechsel.

Nebenwirkungen: Insulin-Doping kann lebensgefährlich sein! Eine Überdosierung von künstlichem Insulin führt zu Herzklopfen, Unruhe und Zittern. Wenn der Blutzuckerspiegel sehr stark abfällt und das Nervensystem deshalb nicht mehr mit genügend Energie versorgt wird, können schwere Schäden am Gehirn auftreten. Diese können im Extremfall zum Tod führen. Ausserdem besteht die Gefahr, durch den Insulin-Missbrauch an Diabetes zu erkranken.


S5 Diuretika und andere Maskierungsmittel

Maskierende Wirkstoffe werden hauptsächlich zur Verschleierung von anderen verbotenen Substanzen oder zur Verfälschung der Ergebnisse von Dopingkontrollen verwendet.

Nebenwirkungen: Diuretika entziehen dem Körper massiv Flüssigkeit und Mineralstoffe. Dadurch bringen sie den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers durcheinander. Dies kann zu schlimmen Muskelkrämpfen, akutem Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen und zu einem Kreislaufschock führen. Zudem steigt die Gefahr einer Thrombose aufgrund des eingedickten Blutes. Weitere mögliche Nebenwirkungen des Missbrauchs von Diuretika sind Magen-Darmprobleme und Nierenschäden.


M1 Manipulation von Blut

Neben verbotenen Substanzen stehen auf der Dopingliste auch verbotene Methoden. Dazu gehört die Manipulation von Blut oder Blutbestandteilen. Sie ist verboten, weil sie die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessert.

Nebenwirkungen: Es sind mehrere Fälle dokumentiert, z. B. Tyler Hamilton oder Riccardo Riccò, bei denen sich Sportler grossen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt haben, weil das Blut unsachgemäss abgenommen, gelagert, transportiert oder transfundiert wurde. Daraus kann eine lebensbedrohliche Blutvergiftung entstehen. Bei Fremdblutdoping sind weitere schwere Komplikationen möglich wie die Übertragung von fremden Krankheitserregern wie Hepatitis-Viren oder HIV oder eine Fremdblutunverträglichkeit und als Folge ein allergischer Schock, der bis zum Tod führen kann.


M3 Gendoping

Der wesentliche Unterschied von Gendoping zu herkömmlichem Doping besteht darin, dass dem Körper nicht mehr Dopingsubstanzen zugeführt werden, sondern genetisches Material.

Nebenwirkungen: Veränderungen des Erbguts durch Gendoping können nach heutigem Wissensstand nicht vollständig rückgängig gemacht werden. Zudem existieren weitere vielfältige Risiken des Gendopings (Herstellungsrisiko, Transferrisiko, genetisches Risiko und andere).


Im Wettkampf verbotene Substanzen und Methoden

S6 Stimulanzien

Stimulanzien rufen eine erhöhte körperliche und geistige Aktivität hervor. Sie verhindern das Gefühl von Müdigkeit und steigern so die Leistungsfähigkeit. Zu den Stimulanzien gehören auch illegale Drogen wie Kokain und Ecstasy. Stimulanzien sind im Wettkampf verboten.

Nebenwirkungen: Stimulanzien belasten vor allem das Herz-Kreislaufsystem. Durch die Verengung der Blutgefässe steigen der Blutdruck und die Körpertemperatur an. Dies ist lebensbedrohlich und kann zu einem Herzinfarkt führen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Kreislaufkollaps. Besonders im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung kann es zu lebensgefährlicher Atemlähmung kommen.


S7 Narkotika

Die im Sport verbotenen Narkotika sind starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Sie werden zur Unterdrückung starker Schmerzen eingesetzt.

Nebenwirkungen: Die Einnahme von Narkotika ist mit einer hohen Suchtgefahr verbunden und hat schwere körperliche und psychische Abhängigkeit zur Folge. Narkotika wirken vorrangig auf das zentrale Nervensystem und beeinträchtigen dadurch die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeiten. Eine Überdosierung kann zu einer tödlichen Atemlähmung führen.


S8 Cannabinoide

Cannabinoide sind natürliche Substanzen, die aus indischem Hanf gewonnen werden, sowie synthetische Analoga. Die wirksamste Substanz ist das Tetrahydrocannabinol (THC).

Nebenwirkungen: Cannabinoide wirken vorrangig auf das Gehirn und können sehr vielfältige Nebenwirkungen auslösen. Kurzfristig führen sie zu einer geringeren körperlichen Leistungsbereitschaft, zudem beeinträchtigen sie die Wahrnehmung und das Kurzzeitgedächtnis. Bei hohen Dosen kann es zu psychotischen Anfällen, Unruhe, Angst, Panikreaktionen und Verwirrtheit kommen.


S9 Glukokortikoide

Glukokortikoide sind körpereigene oder künstlich hergestellte Steroidhormone, die den Stoffwechsel beeinflussen, sowie schmerzstillend und entzündungshemmend wirken.

Nebenwirkungen: Glukokortikoide beeinflussen verschiedene Bereiche des Körpers, deshalb haben sie auch zahlreiche mögliche Nebenwirkungen wie die Hemmung der Produktion von körpereigenen Glukokortikoiden über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse, man nennt diese Wirkung «negative Rückkopplung» oder die Unterdrückung des Immunsystems oder auch die katabole (abbauende) Wirkung, die zu einer Abnahme der Knochendichte (Osteoporose) und zu Muskelschwund führt.


In gewissen Sportarten verbotene Substanzen

P1 Alkohol

Ethanol, auch Alkohol genannt, ist eine farblose, leicht entzündliche Flüssigkeit und in der Gesellschaft als Genuss- und Rauschmittel weit verbreitet.

Nebenwirkungen: Alkoholmissbrauch führt zu Denk- und Orientierungsstörungen sowie zu Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie). Ausserdem droht Lebensgefahr durch Atemlähmung, Einatmen von Erbrochenem und Unterkühlung. Bei einer Alkoholabhängigkeit werden durch die regelmässige Einnahme alle Zellen des Körpers geschädigt. Insbesondere leiden das Nervensystem und die Leber. An den Folgen des Alkoholkonsums sterben in der Schweiz jährlich über 1‘600 Personen.


P2 Betablocker

Betablocker hemmen die Wirkung der körpereigenen Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Sie wirken dadurch beruhigend auf Herz und Kreislauf, verhindern Nervosität und Muskelzittern.

Nebenwirkungen: Betablocker haben einen hemmenden Einfluss auf den Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems, der den Körper auf Leistung vorbereitet). Die Senkung der Herzfrequenz kann im Extremfall eine Herzschwäche herbeiführen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Asthmaanfälle, Erektionsstörungen, Müdigkeit und depressive Verstimmungen.


Zielgruppe Sekundarstufe II

Die Mobile Lesson von Antidoping Schweiz existiert seit 2011 und ist für Schüler auf Sekundarstufe II konzipiert. Das Konzept wurde gemeinsam mit Swiss Olympic, dem Sportgymnasium Davos und der Firma LerNetz entwickelt.

2013 wurde die Mobile Lesson inhaltlich komplett überarbeitet und für die mobile Nutzung optimiert. Ergänzt mit aktuellen Beispielen aus dem Sport umfasst die Mobile Lesson «Substanzen und Methoden» von Antidoping Schweiz derzeit 17 Module in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch.

Angebot für Volks- und Sportschulen

Die Kriterien von Swiss Olympic bei Vergabe ihres Labels an Sportschulen verpflichtet diese, das Thema Dopingprävention im Lehrplan zu verankern. Mit der Mobile Lesson können alle Schweizer Sportschüler – selbstverständlich auch jene ausserhalb der Label Schulen – stufengerecht und einheitlich über Doping aufgeklärt werden. Die Module bieten jeweils einen interdisziplinären Zugang. So bestehen beispielsweise Verknüpfungen zu Themen aus den Bereichen Biologie, Chemie, Ernährung oder Trainingslehre. Für Lehrpersonen wurde eigens eine «Blended Learning Strategie» entwickelt, welche beschreibt, wie die interaktive Mobile Lesson in den Unterricht integriert werden kann.

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