Newsmail 40 – Internationale Kooperationen
Ausgabe 40, Oktober 2012: Die Newsmail 40 ist ganz dem Thema Internationale Kooperationen gewidmet. Antidoping Schweiz ist bestrebt, innovative Projekte und bestehende Tätigkeiten international zu vernetzen und Kooperationen mit Partnerorganisationen einzugehen. Eine weltweite Harmonisierung und Verbesserung der Dopingbekämpfung auf praktischer Ebene kann unserer Meinung nach nur so vorangetrieben werden. Einige dieser Projekte sind Pionierprojekte – hier erfahren Sie mehr dazu.
Das elektronische Zeitalter bei der Dopingkontrolle
Bereits vor einigen Jahren wurden erste Ideen zu „papierlosen“ Kontrollen entwickelt, bei der das Kontrollpersonal anstelle von Papierformularen eine elektronische Alternative mittels Tablett-PC verwenden sollte. Dies hat viele Vorteile: Beispielsweise können bekannte Angaben im Voraus in das elektronische Formular eingetragen werden. Nach der Kontrolle wird das Formular elektronisch an das Labor und die Kontrollinstanz übermittelt. Zudem wird der Papierverbrauch enorm gemindert werden. Erste praktische Umsetzungen erfolgten Ende 2010 durch die US-Antidoping-Agentur USADA, Antidoping Schweiz beteiligte sich daraufhin direkt am Projekt. In den USA werden bereits rund 80% der Kontrollen ausserhalb der Wettkämpfe mittels Administration per iPad durchgeführt. Die elektronische Lösung basiert auf dem Doping-Managementsystem SIMON, das unter anderem von der USADA und Antidoping Schweiz verwendet wird.
Antidoping Schweiz hat das USADA-Programm hinsichtlich ihrer Bedürfnisse weiterentwickelt. Es steht nun zu Schulungszwecken den Profi-Kontrolleuren zur Verfügung. Bereits haben andere Länder Interesse an der Erneuerung angemeldet. So arbeiten zum Beispiel Anti-Doping Neuseeland und die deutsche Kontrollfirma PWC an Lösungen, die auf den „papierlosen“ Produkten der USADA und von Antidoping Schweiz beruhen.
Die papierlose Kontrolle im Video erklärt
Weiterbildung mit Australischer Antidoping Agentur in Sachen Ermittlungen
Während eines Sabbaticals vor einem Jahr bei der Australischen Anti-Doping-Agentur ASADA konnte Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, unter anderem die Tätigkeiten der ASADA im Bereich „Ermittlungen und Untersuchungen“ kennen lernen. Die ASADA ist in diesen Bereichen wahrscheinlich weltweit führend, da sie bereits seit einigen Jahren über Abkommen mit Polizei- und Zollbehörden zum Austausch von Informationen verfügt. Rund ein Drittel der aufgedeckten Dopingfälle erfolgt in Australien aufgrund von Hinweisen und Erkenntnissen aus Ermittlungen.
Im Rahmen einer engeren Zusammenarbeit mit der ASADA will Antidoping Schweiz deren Kenntnisse im Bereich „Ermittlungen“ nun auch weiteren europäischen Agenturen näher bringen, weshalbvom 23. bis am 26. Oktober 2012 ein viertägiger Kurs in Ittigen stattfinden wird. Zwei Experten der ASADA werden Grundlagen zu Ermittlungen und Untersuchungen, zur Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und zur Auswertung von Ermittlungserkenntnissen vermitteln. Zudem wird anhand von Fallbeispielen die Umsetzung in der Praxis geübt werden.
Es werden rund zwanzig Personen von Anti-Doping-Organisationen ausneun Ländern teilnehmen. Neben den Vorträgen der Australischen Experten wird auch der Europa-Direktor der Welt-Antidoping-Agentur die Sicht der WADA vorstellen. Ziel ist, neben dem Aneignen von wertvollem Wissen auch der Aufbau eines ersten internationalen Netzwerkes von Verantwortlichen des Ermittlungsbereiches diverser Anti-Doping-Agenturen.
Wissenschaftliches Symposium der USADA
Seit 2002 führt die USADA (US Antidoping-Agentur) jährliche Wissenschaftssymposien durch. Ziel war stets, Experten aus verschiedenen Bereichen der Dopingbekämpfung zusammenzuführen, um wissenschaftliche Projekte in die Praxis umzusetzen.
Am diesjährigen Symposium soll diskutiert werden, wie Athleten vom Gebrauch von Dopingmittel abzuschrecken sind.
Ein Ansatz hierzu ist ein Modell, das darauf beruht, dass Athletinnen und Athleten nach Risikoeinschätzung rational entscheiden. Am Symposium sollen Ansätze und Strategien entwickelt werden, wie dieses Konzept die Kontrollverteilung, die Analytik oder die angewandte Forschung beeinflussen könnte. Zudem soll auch untersucht werden, ob und wie direkte oder indirekte Sanktionen abschreckend wirken. Eines der Ziele wird sein, die Erkenntnisse aus dem Symposium in die laufende Code-Revision (lesen Sie hierzu den untenstehenden Artikel) eingebunden werden könnten.
Matthias Kamber wird auf Einladung der USADA am Symposium teilnehmen.
Revision des Welt Anti-Doping Codes auf 2015
Die weltweite Harmonisierung der Dopingbekämpfung beruht auf dem Code und den Internationalen Standards der WADA. Dieses Konzept wurde erstmals 2004 eingeführt und 2009 revidiert. Bereits ist der nächste Revisionsschritt im Gange; die neuen Regeln sollen per 1.1.2015 bei den verantwortlichen Organen implementiert und umgesetzt sein. Ein erster Entwurf des neuen Codes wurde von der WADA erarbeitet und liegt zur Stellungnahme bei den betroffenen Organisationen vor. Antidoping Schweiz beteiligt sich aktiv in verschiedenen Organisationen (beispielsweise im Europarat) und mit anderen nationalen Antidoping-Organisationen an diesem Revisionsprozess. Das Ziel von Antidoping Schweiz ist es, den Code und die Standards dahingehend zu vereinfachen, dass lediglich die Grundsätze geregelt sind, so dass die Umsetzung in den Ländern flexibler und nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes umgesetzt werden können. Zudem sollte den Nationalen Antidoping-Organisationen, die weltweit die Hauptlast der Dopingbekämpfung tragen, mehr Verantwortung und Kompetenzen zugetragen werden, um die Dopingbekämpfung bei nicht-internationalen Athleten nach den landesspezifischen Bedürfnissen und Ressourcen zielgerichtet und selbständig im Sinne des Codes durchführen zu können.
Darf ich vorstellen: Christina Weber
In einer losen Serie stellen wir die Mitarbeitenden von Antidoping Schweiz vor und gewähren einen Einblick in unseren Arbeitsalltag.
Das heutige Portrait gehört zu:
Name: Weber
Vorname: Christina
Stellenbezeichnung: Verantwortliche Pharmazie, Medizin und Forschung
Meine Aufgaben bei Antidoping Schweiz bestehen darin: die biologischen Pässe der Athleten zu beurteilen, medizinische und wissenschaftliche Ermittlungsarbeit zu leisten, die Medikamentendatenbank à jour zu halten, Anträge zu Ausnahmebewilligungen zu therapeutischen Zwecken zu bearbeiten, wissenschaftliche Forschungsprojekte zu unterstützen. Oder anders gesagt: eine Antwort auf jegliche medizinische, pharmazeutische oder wissenschaftliche Fragen bereit zu haben.
An meinem Arbeitsplatz: stapelt sich die Fachliteratur.
Bei meiner Arbeit ist mir wichtig: dass ich die Athleten und die Fachpersonen bei Fragen zu den Themen „Pharmazie“ und „Medizin“ bestmöglich unterstützen kann.
In meiner Freizeit: arbeite ich teilzeit in einer Apotheke.

