Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff
Verschiedene
Methoden und Stoffe können angewendet werden, um die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zu verbessern. Blutdoping gehört ebenso dazu wie die
Verabreichung von künstlichen Sauerstoffträgern oder von Stoffen, die die Sauerstoffabgabe im Gewebe erhöhen.
Blutdoping
Die Welt-Anti-Doping-Agentur definiert Blutdoping als die
Verwendung von eigenem (autologem), fremden (homologen oder allogenem) oder heterologem Blut oder Produkten auf der Basis von roten Blutzellen, unabhängig deren Herkunft, soweit die
Anwendung nicht für eine medizinische Behandlung vorgesehen ist.
Wirkungen
Blutdoping kann mittels der
Verabreichung von eigenem oder fremdem Blut erfolgen. Die Anzahl der roten Blutkörperchen wird durch eine solche Massnahme erhöht und die Kapazität, die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen, nimmt zu. Als Folge davon wird die Ausdauer verbessert.
Gefahren
Wie bei
EPO sind die möglichen Nebenwirkungen von Blutdoping eine erhöhte Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, Bluthochdruck und Thrombosen. Bei
Fremdblutdoping besteht die Gefahr von Transfusionszwischenfällen aufgrund von Unverträglichkeiten und Allergien. Liegt eine Unverträglichkeit vor, klagt der Empfänger bereits wenige Minuten nach der Infusion über Unwohlsein, Angstzustände und Schmerzen in der Bauchgegend. Fremde fiebererzeugende
Substanzen (Pyrogene) können beim Empfänger innerhalb 15 Minuten nach der Infusion hohes Fieber auslösen. Fremdblutspenden bergen zudem das Risiko, Infektionskrankheiten wie z.B. Hepatitis und HIV zu übertragen.
Vor einer grossen Operation, bei der ein Blutverlust auftritt, kann ein Patient bei guter Gesundheit einige Wochen vor der Operation eine Blutspende vornehmen. Dieses eigene Blut kann ihm dann während der Operation reinfundiert werden. Ein solches Verfahren ist in der Notfallmedizin nicht möglich. Dort ist man auf Blutkonserven fremder Spender angewiesen.
Die Möglichkeit, mittels Transfusion von Fremdblut die Ausdauerleistung zu verbessern, wurde bereits 1947 beschrieben. Erst durch die verbesserte Technik zur Lagerung des Blutes kam Blutdoping - als Eigenblutspende - wieder ins Gespräch. An den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles sollen mehrere Radfahrer des US Olympia
Teams Bluttransfusionen erhalten haben. Blutdoping ist seit 1985 verboten.
Nachdem die
Methode des Blutdopings in den 1990er Jahren durch die effektive Wirkung von
EPO zurückgegangen war, erlebte es in jüngster Vergangenheit ein Comeback wie die Affären um den spanischen Frauenarzt Fuentes und die österreichische Firma Humanplasma in den letzten Jahren zeigte.
Besonderes
Im Frühling 2004 sorgten die Enthüllungen über die Praktiken des Blutdopings durch den Profiradsportler Jesus Manzano für Schlagzeilen. So sollen Personen im Umfeld der Radsportgruppe gemäss ihrer Blutgruppe ausgewählt worden sein. Oder es wurden Verwandte mit der gleichen Blutgruppe wie die Fahrer als Blutspender eingesetzt. Um ein möglichst blutkörperchenreiches Blut zu erhalten, wurden die Spender in Höhenaufenthalte geschickt. Danach wurde das Blut entnommen und dem Fahrer vor dem
Wettkampf infundiert.
Schlagzeilen
Im Herbst 2004 wird der Olympiasieger im Zeitfahren in Athen Tyler Hamilton (USA) Doping mit Fremdblut nachgewiesen. In der Blutprobe konnte nachgewiesen werden, dass Blut eines Spenders verwendet hatte. Dies ist der erste positive Fall mit Blutdoping.
Künstliche Sauerstoffträger
Blut ist ein sehr kostbares Gut und der Bedarf in der Medizin kann durch Blutspenden nur noch unzureichend gedeckt werden. Vor allem seit Übertragungen von HIV bei Blutspenden vorgefallen sind, ist die Bereitschaft Blut zu spenden rückläufig. Deshalb suchte die medizinische Forschung seit 1990 intensiv nach Ersatzprodukten. Einerseits fand man sie in Form künstlicher Sauerstoffträger (z.B. Perfluorcarbon), andererseits wird versucht, das Hämoglobinmolekül so zu verändern, dass es auch ausserhalb des
Erythrozyten stabil ist.
Da der Verdacht bestand, dass diese
Substanzen auch im Sport verwendet werden, bezeichnete das
IOK anfangs 2000 auch die Gabe von künstlichen Sauerstoffträgern (wie Perfluorcarbon) oder künstlich stabilisierten Extrakten von Rinderblut als verbotene Dopingmethode. Folgende
Substanzen fallen in diese Gruppe:
- RSR-13: erhöht die Affinität des Hämoglobinmoleküls für Sauerstoff. Dadurch wird mehr Sauerstoff in das Gewebe transportiert.
- Perfluorcarbon: eine künstliche Substanz, die Sauerstoff bindet und im Blut transportiert. Einsatz in der Notfallmedizin. Kann in der Atemluft nachgewiesen werden.
- Oxyglobin: quervernetztes Hämoglobin, das auch ausserhalb des roten Blutkörperchens stabil ist. Wurde zur Bekämpfung der Blutarmut bei Hunden zugelassen.