Peptidhormone
Die Klasse der Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und -modulatoren umfasst Wirkstoffe mit unterschiedlichster Struktur und Wirkung. Es sind meist körpereigene
Eiweisse, die als Botenstoffe wirken und teilweise in Drüsen weitere
Substanzen freisetzen.
Die
Dopingliste unterscheidet folgende Gruppen:
- Wirkstoffe, welche die Erythropoiese stimulieren z.B. Erythropoietin (EPO), CERA
- Gonadotropine
- Insulin
- Corticotropine
- Wachstumshormon (HGH), insulinähnlicher Wachstumsfaktor (IGF-1) und muskuläre Wachstumsfaktoren MGF's (Mechano Growth Factors)
1. Erythropoiese stimulierende Wirkstoffe (z.B. EPO)
Wirkungen
Erythropoietin reguliert im Körper die Bildung der roten Blutkörperchen (
Erythrozyten). Stellt die Niere eine mangelnde Sauerstoffversorgung des Körpers fest, so wird Erythropoietin gebildet und ins Blut ausgeschüttet. Im Knochenmark löst
EPO die Bildung von roten Blutkörperchen aus.
Nebenwirkungen
Eine übermässige Produktion von
EPO führt zu einer Verdickung des Blutes. Dadurch werden die Fliesseigenschaften des Blutes verschlechtert, was zu Thrombosen und im äussersten Fall zum Tod durch einen Gefässverschluss führen kann.
Anwendung in der Medizin
Nierenkranke sind auf die Gabe von künstlichem Erythropoietin angewiesen, da die Niere kein
EPO mehr produzieren kann. Seit gentechnisch hergestelltes
EPO verfügbar ist, sind diese Personen nicht mehr auf Bluttransfusionen angewiesen.
Anwendung im Sport
Mit einer Steigerung der Anzahl roten Blutkörperchen kann der Körper mehr Sauerstoff transportieren und die Muskulatur besser mit Sauerstoff versorgen.
EPO kann seit 1990 gentechnologisch hergestellt werden.
EPO wird vor allem in Ausdauersportarten missbräuchlich eingesetzt. Zudem soll es die Regenerationszeit nach hohen Anstrengungen verkürzen.
Schlagzeilen
In der Schweiz wurde der Profiradfahrer
Oscar Camenzind im Juli 2004 kurz vor den Olympischen Sommerspielen in Athen positiv auf
EPO getestet und für zwei Jahre gesperrt. Brigitte McMahon wurde der
EPO Missbrauch 2005 nachgewiesen. Auch sie wurde für zwei Jahre gesperrt.
2. Gonadotropine
Unter Gonadotropine werden
Substanzen zusammengefasst, die stimulierend auf die Keimdrüsen wirken wie z.B.
luteinisierendes Hormon LH und das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin).
Wirkungen
Die Gonadotropine stimulieren in den Keimdrüsen die Ausschüttung von Hormonen.
LH stimuliert beim Mann die Produktion von Testosteron in den Hoden. Bei der Frau löst es den Eisprung und die Gelbkörperbildung aus. HCG ist das so genannte Schwangerschaftshormon der Frauen und wird während der Schwangerschaft, insbesondere zu Beginn, in hohen Mengen produziert und in die Blutbahn abgegeben.
Nebenwirkungen
Eine Behandlung mit Gonadotropinen kann zu einer Hypertrophie der Eierstöcke führen. Die Nebenwirkungen können das ganze Hormonsystem betreffen.
Anwendung in der Medizin
LH wird zur Stimulation der Follikelreifung bei der Frau eingesetzt. HCG wird bei Frauen mit einem fehlenden Eisprung oder ungenügender Follikelreifung anwendet. Zur Behandlung der Sterilität des Mannes kann HCG zusammen mit anderen Hormonen kombiniert werden.
Anwendung im Sport
LH oder HCG wird im Sport eingesetzt, um das sogenannte Hormonloch, das nach dem Absetzen von anabolen Steroiden auftritt, möglichst zu vermeiden. Durch die Gabe von HCG wird die gedrosselte Produktion von Testosteron in den Keimdrüsen (Hoden) wieder angeregt.
Schlagzeilen
Im Rahmen einer Trainingskontrolle wurde bei einem Schweizer Gewichtheber im Mai 2002 neben Nandrolon auch das Schwangerschaftshormon HCG nachgewiesen.
Insulin ist ein körpereigenes
Hormon und wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es reguliert den Zuckerstoffwechsel.
Insulin steht seit 1999 auf der
Dopingliste.
Wirkungen
Insulin ist ein lebenswichtiges
Hormon, das den Hauptenergieträger, die
Glucose, vom Blut in den Muskel transportiert.
Insulin wird nach einer Mahlzeit vermehrt ausgeschüttet und verbessert die Aufnahme von
Glucose und
Aminosäuren in die Zellen. Es erhöht die Glykogenbildung in der Leber, stimuliert die Bildung von Fetten aus
Glucose und hemmt die Umwandlung von Eiweissen zu
Glucose.
Nebenwirkungen
Eine Überdosierung von
Insulin führt zu einer Unterzuckerung (
Hypoglykämie), die sich durch Herzklopfen, Unruhe, Zittern und Schwitzen äussern kann. Bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten kommt es zum hypoglykämischen Koma.
Anwendung in der Medizin
Eine Diabetes-Erkrankung kann die Gabe von
Insulin notwendig machen. Früher wurden Präparate aus Rinder- oder Schweineinsulin zur Behandlung verwendet, heute stehen gentechnologisch hergestellte
Insuline zur Verfügung.
Anwendung im Sport
Insulin bewirkt eine Stimulierung anaboler (aufbauender) Stoffwechselvorgänge. So werden die Glykogensynthese, die Lipidsynthese und die Proteinsynthese angeregt.
Ursprünglich wurde es vor allem in Kraftsportarten missbräuchlich eingesetzt, es gibt aber Hinweise darauf, dass
Insulin mittlerweile auch in Ausdauersportarten zum Einsatz kommt. Es soll zusammen mit Wachstumshormonen verwendet werden, um deren Nebenwirkungen zu lindern.
4. Corticotropine
Corticotropine (z.B. ACTH) werden in der Hirnanhangsdrüse gebildet und wirken auf die Nebennierenrinde.
Wirkungen
Corticotropine regulieren die körpereigene Produktion von Kortison und Kortisol und können anregend wirken (Euphorie).
Nebenwirkungen
Corticotropine führen bei übermässigem Gebrauch zu einem Abbau von körpereigenen Reserven (Zucker, Fett), zu Entzündungen und zu Infektionen.
Anwendung in der Medizin
ACTH wird als Test für die Abklärung des richtigen Funktionierens der Nebennierenrinde eingesetzt.
Anwendung im Sport
Anstelle von Glucokortikoiden könnte ACTH während langer körperlicher Beanspruchungen (z.B. Etappenrennen im Radsport) eingesetzt werden.
Wirkungen
Wachstumshormone (HGH) haben ein sehr breites Wirkungsspektrum. Bei Jugendlichen wird das Längenwachstum reguliert. Daneben führt HGH zu einem Abbau der Fettdepots, erhöht den Blutzuckerspiegel und unterstützt den Muskelaufbau.
Nebenwirkungen
Eine erhöhte Ausschüttung von HGH führt zu
Gigantismus. Es kommt zu einer Vergrösserung des Kinns und des Kiefers und zur Vergrösserung von Händen und Füssen. Ebenso nehmen die inneren Organe wie Herz, Leber und Darm an Grösse zu. Diese Veränderungen werden als Akromegalie bezeichnet.
Weiter wird der Zuckerhaushalt beeinträchtigt, was zur Zuckerkrankheit (Diabetes) führen kann. Durch vermehrte Einlagerung von Wasser nimmt die Belastung des Herz-Kreis-Laufsystems zu und der Blutdruck steigt an.
Anwendung im Sport
Wachstumshormone werden im Sport alleine oder in Kombination mit Anabolika und
Insulin eingesetzt. Dies wegen der Zunahme der Muskelmasse, der besseren Regeneration und der Reduktion der Fettmasse.
Schlagzeilen
Das IOC kündigte zwar schon vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen an, Tests auf künstliches HGH durchzuführen. Doch weil das Nachweisverfahren lange als juristisch anfechtbar galt, wurde es nicht konsequent angewendet. Erst 2010 kam es deshalb zu einer positiven Dopingprobe auf HGH: Der britische Rugby-Nationalspieler Terry Newton wurde für zwei Jahre gesperrt.