Beunruhigende Situation im russischen Sport

09.03.2016 - Internationale Zusammenarbeit

Ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio fehlt in Russland ein vertrauenswürdiges Kontrollsystem

In einem neuen Bericht des Reporters Hajo Seppelt im Westdeutschen Rundfunk vom 6. März 2016 wird aufgezeigt, dass sich die Dopingsituation in Russland scheinbar nicht verbessert hat. Wegen Dopingabgabe gesperrte Trainer arbeiten offenbar weiterhin mit Athleten zusammen. Und auch die vom russischen Sportminister anlässlich des Berichts der unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vom 9. November 2015 versprochene Erneuerung des gesamten Anti-Doping-Systems ist scheinbar noch nicht vollzogen. Zudem sind die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA und das russische Kontrolllabor weiterhin suspendiert, ein umfassendes Kontrollsystem fehlt deshalb zurzeit in Russland.

«Es ist alarmierend und nicht akzeptabel, dass in der Vorbereitungsphase zu den Olympischen Sommerspielen in Rio im russischen Sport kein vertrauenswürdiges Kontrollsystem existiert», meint Dr. Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz. «Wohl hat die britische Anti-Doping-Organisation, UK Anti-Doping, in Zusammenarbeit mit der Welt Anti-Doping-Agentur WADA die Rolle übernommen, Dopingkontrollen in Russland durchzuführen, mein heutiger Kenntnisstand ist aber, dass über mehrere Monate nicht kontrolliert wurde und dass die Kontrollen heute noch ungenügend funktionieren», fährt Matthias Kamber fort.

«Unter diesen Umständen sind wir es unseren Athletinnen und Athleten, die in ein umfassendes Kontroll- und Präventionssystem eingebunden sind, schuldig, weiterhin den Ausschluss der russischen Leichtathleten für die Olympischen Sommerspiele Rio 2016 zu fordern», so der Direktor.

Antidoping Schweiz verlangt erneut, dass die Dopingbekämpfung weltweit verstärkt und vermehrt durch überprüfbare, unabhängige Agenturen durchgeführt wird. Zu gross sind heute noch die weltweiten Unterschiede, als dass saubere Athletinnen und Athleten überall auf faire Bedingungen setzen können. Dazu sind starke, unabhängige Agenturen erforderlich, die mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet sind, um auch weltweit Länder mit weniger entwickelten Anti-Doping-Programmen zu unterstützen.