Dopingfall Patrick Sinkewitz

25.02.2014 - Recht

Das Sportschiedsgericht TAS hat am 24. Januar 2014 einen Rekurs der Deutschen Anti-Doping-Agentur NADA gutgeheissen und den deutschen Radfahrer Patrick Sinkewitz wegen Dopings mit Wachstumshormon (hGH) zu acht Jahren Sperre und zu einer Busse von €38'500 verurteilt.

Patrick Sinkewitz wurde am 27. Februar 2011 durch Antidoping Schweiz im Rahmen des UCI Rennens Grand Prix von Lugano kontrolliert, in seiner Blutprobe wurde verbotenes Wachstumshormon (hGH) gefunden. Erstinstanzlich wurde Patrick Sinkewitz freigesprochen, da der deutsche Einzelrichter die dem hGH-Testverfahren zu Grunde liegenden statistischen Auswertungen und Abgrenzungen als nicht ausreichend wissenschaftlich abgesichert beurteilte.

Das TAS hat nun entschieden, dass die während des Verfahrens nachgelieferten Berechnungsmethoden der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ausreichten, um den Verstoss gegen die Dopingbestimmungen zu belegen.

Antidoping Schweiz begrüsst das Urteil und gratuliert der NADA Deutschland zu ihrer hartnäckigen Arbeit zum Beweisen dieses Dopingverstosses. Antidoping Schweiz hat in den letzten Monaten keine Proben mehr auf hGH analysieren, sondern sie einfrieren lassen. Mit dem Urteil ist die Eignung des indirekten Messverfahrens zur Bestimmung von hGH Missbrauch im Sport belegt.

Trotzdem muss noch abgewartet werden, ob Patrick Sinkewitz das Urteil des TAS vor dem Bundesgericht anfechten wird. Sinkewitz war bereits am 8. Juni 2007 positiv auf Testosteron getestet und daraufhin für ein Jahr gesperrt worden. Weil der 33-Jährige nun als Wiederholungstäter gilt, gilt die Sperre für acht Jahre.

Fakten zum Nachweis von hGH in der Dopinganalytik

Der Nachweis von hGH erfolgt indirekt. Das 1999 von Christian Strasburger entwickelte Nachweisverfahren (Isoform Differential Immunoassays) für hGH im Blut ist aufwendig und teuer, zudem ist damit Doping mit Wachstumshormonen nur kurze Zeit (ca. 72 Stunden) nach der Anwendung nachweisbar. Bei dieser im Fall Sinkewitz angewendeten Methode wird das Verhältnis von selber gebildetem hGH (endogenem) zu fremd zugeführtem hGH (exogenem) gemessen.
2012 präsentierte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bei den Olympischen Spielen in London einen effektiveren (Biomarker) Test. Dabei werden zwei Biomarker (IGF-1 und P-III-NP) nachgewiesen, die nach einer exogenen Gabe von hGH unnatürlich ansteigen. Als grosser Vorteil dieser Methode gilt das viel längere Nachweisfenster (bis zu 14 Tage) nach Doping mit hGH. Der Biomarker Test wurde im Fall Sinkewitz nicht angewandt.