Dopingvorwürfe erreichen eine neue Qualität

13.05.2016 - Öffentlichkeit

Antidoping Schweiz fordert den Ausschluss russischer Athleten

Im Interview mit der New York Times vom 12. Mai 2016 beschreibt der ehemalige Direktor des russischen Anti-Doping-Labors, Dr. Grigory Rodchenkov, ein ausgeklügeltes, vom Staat unterstütztes System, um Proben zu manipulieren. Während den Olympischen Winterspielen 2014 in Sochi sollen dabei Dopingproben über Nacht ausgetauscht worden sein. Damit konnten Dutzende von russischen Athletinnen und Athleten auch während den Spielen unentdeckt mit Hilfe von Doping ihre Wettkämpfe bestreiten. Darunter sollen sich auch mindestens 15 Medaillengewinnerinnen und ‑gewinner befinden. Dr. Rodchenkov habe zudem seine Kenntnisse als Laborleiter benutzt, einen Cocktail von Anabolika zu mischen und diesen den Athletinnen und Athleten abzugeben, damit sie grosse Trainingsbelastungen besser bewältigen und sich schneller erholen konnten. Die Aussagen konnten von der New York Times nicht verifiziert werden.

Antidoping Schweiz ist konsterniert über diese neusten Enthüllungen. „Nach den bisherigen Enthüllungen zum Dopinggebrauch in Russland ist dieses mögliche Staatsdoping jedoch lediglich in seiner Qualität neu“ meint Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz. „Wir haben in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass die Organe der weltweiten Dopingbekämpfung vom Sport und von der Politik unabhängiger sein und schlagkräftiger aufgestellt werden müssen“.

Sollten sich die Aussagen von Dr. Rodchenkov als wahr erweisen, so ist dies ein vorläufiger Tiefpunkt in der internationalen Dopingbekämpfung. Antidoping Schweiz erwartet dass aufgrund der bisher angesammelten Hinweise und aus übergeordneten Interessen alle russischen Athleten per sofort und bis zur rechtsgültigen Klärung des Sachverhalts von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen werden.