Disziplinarverfahren

Bei erhärtetem Verdacht auf einen Verstoss gegen einen der zehn Tatbestände des Doping-Statuts, stellt Antidoping Schweiz einen Antrag zur Eröffnung eines Disziplinarverfahrens bei der Disziplinarkammer für Dopingfälle von Swiss Olympic.

Doping-Statut von Swiss Olympic

Vereinfachter Ablauf des Disziplinarverfahrens

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Disziplinarverfahren Schritt für Schritt

  1. Die betroffene Person wird von Antidoping Schweiz über den mutmasslichen Verstoss gegen die Anti-Doping-Bestimmungen informiert (mit Kopie an den nationalen Sportverband). Die betroffene Person sollte im ersten Moment Ruhe bewahren. Aufgrund der Komplexität des Verfahrens wird empfohlen, juristischen Beistand zu suchen (auf eigene Kosten).
  2. Bei einer positiven Dopingprobe (Artikel 2.1 Doping-Statut) hat die betroffene Person das Recht, die Analyse der B-Probe zu verlangen, die Kopien der Laborunterlagen anzufordern, sich freiwillig vorläufig sperren zu lassen und Beweismittel sowie eine erste Stellungnahme einzureichen.
    Betrifft der Verdacht keine positive Dopingprobe, sondern einen Verstoss nach Art. 2.2 bis 2.10 Doping-Statut, kann die betroffene Person sich freiwillig vorläufig sperren lassen und Beweismittel sowie eine erste Stellungnahme einreichen.
  3. Kann der Dopingverdacht nicht entkräftet werden, wird die betroffene Person über die Eröffnung eines Verfahrens und über eine allfällige vorläufige Sperre informiert. Es wird die Gelegenheit geboten, eine weitere Stellungnahme abzugeben und Beweismittel einzureichen. Der nationale Sportverband wirkt im Verfahren als Partei mit.
  4. Die betroffene Person erhält von der DK einen Termin für eine mündliche Verhandlung, während der sie befragt wird und Gelegenheit erhält, ihre Argumente vorzubringen. In einzelnen Fällen wird auf eine mündliche Verhandlung verzichtet.
  5. Der Entscheid der DK wird den Parteien im Nachgang schriftlich begründet.
  6. Sobald der Entscheid der DK vorliegt, wird er veröffentlicht. Der Zeitpunkt der Publikation wird den Parteien angekündigt. Der betroffenen Person wird empfohlen, zu diesem Zeitpunkt das Umfeld sowie Sponsoren und Partner vertraulich zu informieren.
  7. Die betroffene Person kann innerhalb von 21 Tagen nach schriftlicher Eröffnung des begründeten Entscheides Berufung beim TAS einlegen.

Die Parteien erhalten zur Wahrnehmung ihrer Parteirechte Fristen und können solche mit Begründung verlängern.

Erste Instanz

Die Disziplinarkammer für Dopingfälle von Swiss Olympic (DK) beurteilt in erster Instanz alle Dopingfälle im Geltungsbereich des Doping-Statuts. Die DK besteht aus etwa 20 Richtern (Juristen und medizinische Experten). Diese werden durch das Sportparlament gewählt. Bei Verfahrenseröffnung konstituiert die DK aus dem Pool ihrer Mitglieder ein dreiköpfiges Gremium, welches den Fall behandelt. Antidoping Schweiz tritt vor der DK als Klägerin auf. Die angeklagten Personen werden in einem Verfahren angehört und können ihre Argumente vorbringen und sich anwaltlich vertreten lassen. Den betroffenen nationalen Sportverbänden stehen Parteirechte zu.

Zweite Instanz

Entscheide der DK können beim internationalen Sportschiedsgericht, dem Tribunal Arbitral du Sport (TAS) in Lausanne angefochten werden. Das Recht auf Weiterzug steht den verurteilten Sportlerinnen und Sportlern, Antidoping Schweiz, dem nationalen und dem internationalen Verband sowie der WADA zu.

Sanktionen

Gültigkeit

Werden Personen wegen Verstössen gegen Anti-Doping-Bestimmungen gesperrt, so sind ihnen sämtliche Tätigkeiten untersagt, z.B. auch als Coach sowie Funktionärin oder Funktionär. Dies gilt übergreifend über sämtliche Sportarten und Länder, die dem Doping-Statut bzw. Welt-Anti-Doping-Code unterstellt sind.

Strafmass

Das Standard-Strafmass für vorsätzliche Verstösse liegt bei vier Jahren Sperre. Für spezifische Substanzen gilt eine Standardsperre von zwei Jahren. In gravierenden Fällen sowie im Wiederholungsfall kann eine Person mit einer lebenslänglichen Sperre sanktioniert werden. Die Bestimmungen erlauben in Einzelfällen eine mildere Sanktionierung bis zu Verwarnungen, wenn die angeklagte Person nachweisen kann, dass «kein grobes Verschulden» vorliegt.